Jugendgerichtshilfe

Kriminologische Einzelfalldiagnostik (MIVEA)

Bild Angewandte Kriminologie zwischen Gut und Böse


Als Ergebnis der seinerzeit auch in Oberhausen geführten Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Einrichtung eines „Haus des Jugendrechts“ hat sich die Jugendgerichtshilfe (JGH) 2010 dafür eingesetzt, die kriminologische Einzelfalldiagnostik der „Methode der idealtypisch vergleichenden Einzelfallanalyse“ (MIVEA) als Bearbeitungsstandard für die Fälle einzuführen, in denen eine kriminelle Gefährdung festzustellen ist.

Der institutionsübergreifende Einsatz der MIVEA ist eingebettet in eine entsprechende Beschlusslage des Präventiven Rates Oberhausen und Bestandteil der Zielvereinbarung Kinder- und Jugenddelinquenz.

Zu diesem Zweck wurde in Zusammenarbeit mit der Polizei ein Frühwarnsystem implementiert, mit dessen Hilfe in allen Vernehmungen von unter 21-jährigen anhand von MIVEA-Erhebungsbögen die kriminelle Gefährdung eingeschätzt und bei positivem Ergebnis mithilfe eines sogenannten Syndrombogens an die JGH gemeldet wird.

Die Jugendgerichtshilfe prüft und ergänzt die eingehenden Gefährdungsmeldungen anhand ihrer eigenen Erkenntnisse und leitet die Information bei Minderjährigen an das zuständige Regionalteam Jugendhilfe weiter.

Abhängig von der konkreten kriminologischen und pädagogischen Indikation sowie ggf. auch dem jeweiligen Stand des Ermittlungs-/Strafverfahrens entscheidet die JGH darüber, ob eine Fallbearbeitung mit MIVEA erfolgt.

Die institutionsübergreifende Vernetzung mit Hilfe der kriminologischen Einzelfalldiagnostik (MIVEA) wurde und wird in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl Prof. Dr. Dr. Hauke Brettel für Kriminologie, Strafrecht und Medinzinrecht, einschließlich Jugendstraf- und Strafvollzugsrecht an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz sowie dem Institut für Angewandte Kriminologie (Prof. Dr. Dr. Michael Bock) weiterentwickelt.

Weiterführende Informationen zur Angewandten Kriminologie finden sich hier.