Expert*innendialoge im Sozialraum

Wie der erste Sozialbericht der Stadt Oberhausen gezeigt hat, sind soziale Benachteiligung und Armutsrisiken unterschiedlich über das Stadtgebiet verteilt.

Um die gesellschaftlichen Teilhabechancen der Menschen in unserer Stadt zu verbessern, möchten wir mit Unterstützung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS NRW) im Rahmen des Landesförderprojektes „Zusammen im Quartier – Kinder stärken, Zukunft sichern“ nun von „Daten zu Taten“ schreiten und dabei die bestehenden Angebote und Ressourcen bestmöglich nutzen.

Zur gemeinsamen strategischen Ausrichtung werden Expert*innendialoge in allen sechs Oberhausener Sozialräumen durchgeführt. In diesem interdisziplinären Austausch möchten wir die Ansichten, Erfahrungen und Tätigkeiten der in den Sozialräumen agierenden Akteure mit den statistischen Auswertungen zusammenbringen, um die Lebenslagen der Menschen sowie die aktuelle Versorgung genauer zu erfassen. Auf diesem Wege können gemeinsam Versorgungslücken mit bedarfsgerechten Maßnahmen geschlossen werden.

Die Veranstaltungsreihe wird durch ein interdisziplinäres Organisationsteam aus neun Fachbereichen der Stadtverwaltung (Bereich Soziales, Bereich Chancengleichheit, Bereich Kinder und Jugend, Bereich Schule, Kommunales Integrationszentrum, Bereich Statistik, Bereich Stadtplanung, Bereich Umwelt, Gemeinsame Einrichtung Jobcenter, Bereich Sport und Bereich Gesundheit) begleitet.

Ziel ist die Initiierung fortlaufender strukturierter, unterdisziplinärer Dialoge zwischen den „Funktionsträgern in den Sozialräumen“ und den jeweils zuständigen (Fach-)Bereichen der Stadtverwaltung.

Dieses Vorhaben erfordert in besonderem Maße ein gemeinsames Begriffsverständnis. Die Begleitbroschüre enthält daher ein Glossar mit einigen elementaren, veranstaltungsrelevanten Begriffen sowie Erklärungen zu zentralen Indikatoren der Sozialraumanalyse. Darüber hinaus dient diese Broschüre als begleitendes Datenblatt, welches analog zu den in den Veranstaltungen gezeigten Präsentationen einen Überblick über einige relevante Indikatoren aus verschiedenen Fachbereichen der Stadtverwaltung bietet. Die aufbereiteten Indikatoren helfen dabei die Lebenslagen in den Sozialräumen zu erfassen und zu einem Verständnis für die Wechselwirkungen der einzelnen Bedarfslagen zu gelangen.


Die Strategiepapiere

Um die sozialraumorientierte Bearbeitung von lokalen Handlungsbedarfen zu unterstützen, wurde für jeden Sozialraum ein eigenes Strategiepapier erarbeitet, welches einen allgemeinen und einen individuellen Teil umfasst.

Der allgemeine Teil ist in den Strategiepapieren nahezu gleich und beinhaltet eine kurze Einleitung, eine Förderprojektbeschreibung, eine Einordnung der Expert*innendialoge in den Prozess der strategischen Sozialplanung sowie einen Überblick über aktuelle Berichte aus der Verwaltung. Der individuelle Teil umfasst eine sozialraumscharfe, interdisziplinäre Sozialraumanalyse, aus der potentielle Handlungsbedarfe und Ziele für den Sozialraum abgeleitet werden.

Passend zu den Handlungsbedarfen werden anschließend bereits bestehende oder geplante Maßnahmen aufgezeigt. Aufgrund des Umfangs der insgesamt 48 Maßnahmensteckbriefe werden diese in einem gemeinsamen Anhang gebündelt. Jedes Strategiepapier enthält eine individuelle Auflistung der sozialraumrelevanten Maßnahmen mit dem jeweiligen Umsetzungsstand. Für die daraus ersichtlich gewordenen potentiellen „Versorgungslücken“ werden letztlich Handlungsempfehlungen für jeden Sozialraum formuliert. Alle Maßnahmensteckbriefe und Handlungsempfehlungen wurden mit den jeweils betroffenen Ansprechpartner*innen und beteiligten Bereichen rückgekoppelt.


Ergebnisse

Resultierend aus den gewonnenen Erkenntnissen wurden drei sozialraumscharfe Strategiepapiere mit insgesamt 31 abgestimmten, wissensbasierten und umsetzungsfähigen Handlungsempfehlungen formuliert. Da sich die drei Sozialräume in Alt-Oberhausen in ihrer Sozialstruktur ähneln und nur wenige (bestehende) Maßnahmen auf einzelne Sozialräume abzielen, konnten für alle drei Sozialräume ähnliche Handlungsbedarfe festgestellt werden. Entsprechend finden sich in den Maßnahmenbeschreibungen und Handlungsempfehlungen große Schnittmengen.


Weiteres Verfahren

Die sozialraumspezifischen Strategiepapiere und die vorliegenden Handlungsempfehlungen sollen einer gemeinsamen strategischen Ausrichtung der Stadtverwaltung, der Politik und der freien Träger*innen dienen, um die Lebenslagen von benachteiligten Einwohner*innen in Oberhausen zu verbessern.

Die jeweiligen Entscheidungskompetenzen zur Umsetzung der Handlungsempfehlungen verteilen sich auf den Verwaltungsvorstand, die lokalen Träger*innen und die Politik. Sie können im Rahmen ihrer Zuständigkeiten eigenständig oder gemeinsam abwägen, in wie weit sie die Handlungsempfehlungen in ihre Tätigkeit einfließen lassen.

Um die Umsetzung zu forcieren und Handlungsempfehlungen zu konkretisieren, werden die Strategiepapiere neben der Vorstellung in politischen Gremien auch in der AG Wohlfahrt, der AG strategische Planung und den jeweiligen Sozialraumgremien vorgestellt und diskutiert.

Da die Planung und Umsetzung von Maßnahmen aufgrund der unterschiedlichen Entscheidungskompetenzen dezentral durch die kommunalen Fachplanungen und die freien Träger*innen erfolgen muss, soll die Umsetzung der Handlungsempfehlungen durch die Verstetigung der Expert*innendialoge begleitet und durch die Fortschreibung der Strategiepapiere dokumentiert werden.

Die Veranstaltungsreihe hat sich als zentrales Unterstützungsinstrument bei der Erarbeitung der Strategiepapiere erwiesen. Der fortlaufende, strukturierte und offene Dialog zwischen Expert*innen verschiedener Fachdisziplinen und Institutionen im Sozialraum stärkt überdies die Netzwerkarbeit und kann Doppelstrukturen vermeiden. Daher sollte die Veranstaltungsreihe jährlich fortgeführt werden. Die Erkenntnisse der Strategiepapiere sollten dabei als künftige Ausgangspunkte für die kommenden Expert*innendialoge dienen. Dies beinhaltet auch eine Fortschreibung der Strategiepapiere in einem regelmäßigen Turnus, damit Handlungsbedarfe, neue Maßnahmen oder auch Handlungsempfehlungen aktualisiert werden können.

Kontakt

Stadt Oberhausen
Bereich Soziales
Finanzen, Controlling, Planung
Sozialraumkonferenzen
Sozialrathaus
Essener Straße 53

46047 Oberhausen

Jasmin Mannarino
Tel.: 0208 825-9054
Fax: 0208 825-9201
E-Mail: jasmin.mannarino@oberhausen.de

Rebecca Osono
Tel.: 0208 825-9068
Fax: 0208 825-9201
E-Mail: rebecca.osono@oberhausen.de