Oberhausener Arbeitsmarktkonferenz 2026

Was bleibt? Was wird? Beruf zwischen Beständigkeit und Wandel

21.09.2026 - Rund 110 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Bildung sind am vergangenen Mittwoch, 16. September, in der Schlosserei im Zentrum Altenberg zur Oberhausener Arbeitsmarktkonferenz 2026 zusammengekommen. Unter dem Titel „Was bleibt? Was wird? Beruf zwischen Beständigkeit und Wandel" standen zentrale Fragen einer sich immer schneller verändernden Arbeitswelt im Mittelpunkt. Fachkräftemangel, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, der demografische Wandel, Wertewandel und veränderte Erwerbsbiografien sowie institutionelle und strukturelle Herausforderungen stellen Beschäftigte wie Unternehmen vor neue Herausforderungen. Das Verständnis von und die Anforderungen an Berufskonzepte und Qualifikationen ändern sich und wirken sich auf die Akteurinnen und Akteure der Arbeitswelt aus. Welcher Umgang aber ist der geeignete, was bleibt tragfähig und was bedarf des Wandels?

Oberbürgermeister Thorsten Berg betonte in seiner Eröffnung der Konferenz die Bedeutung der Thematik und eines offenen Austausches zwischen den unterschiedlichen Akteurinnen und Akteuren. Zahlreiche Entwicklungen sorgten dafür, dass sich der Arbeitsmarkt derzeit stark verändere. Dazu zählten insbesondere die demografische Entwicklung, die Digitalisierung, die notwendige Zuwanderung von Fachkräften, die Gleichzeitigkeit von Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel, Strukturwandel.

Oberbürgermeister Thorsten Berg eröffnete die Konferenz. (Foto: Stadt Oberhausen/Tom Thöne)
Oberbürgermeister Thorsten Berg eröffnete die Konferenz. (Foto: Stadt Oberhausen/Tom Thöne)

Nach Berechnungen des statistischen Bundesamtes werden bis 2040 rund 13,3 Millionen der heutigen Erwerbspersonen das gesetzliche Rentenalter erreichen. Dadurch werde sich der Wettbewerb um Fachkräfte weiter verschärfen, so Berg. „Verändern werden sich Erwerbsbiografien, Arbeitszeiten und -plätze. Aufgabe ist es, diesen Wandel aktiv zu gestalten – dies gilt auch für die Stadt Oberhausen und ihre Stadtverwaltung“.

Den zentralen Hauptvortrag hielt der renommierte Soziologe Prof. Dr. Armin Nassehi, Vizepräsident der Ludwig-Maximilians-Universität München und Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie. Er beschrieb das Spannungsfeld auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, das sich zwischen den Polen von Brüchigkeit und Unsicherheit und von der Erwartung an Beständigkeit, Zugehörigkeit, Status sowie Sinn- und Identitätsstiftung spannt. Die Aufgabe sei es, technischen Fortschritt in menschlichen zu übersetzen und dafür zu sorgen, dass Arbeit ihre integrierende Funktion behält.

: Blick aufs Podium (Foto: Stadt Oberhausen/Tom Thöne)
Blick aufs Podium (Foto: Stadt Oberhausen/Tom Thöne)

Anschließend brachten sechs Impulsgeber und Impulsgeberinnen ihre unterschiedlichen Perspektiven ein: Claudia Hägele (TBS NRW) vertrat die Seite der Arbeitnehmenden, Frederik Paul (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände) die der Arbeitgebenden. Maren Behlau (Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW) gab Einblick in die Arbeits- und Ausbildungsmarktpolitik, Dr. Dorothea Voss (Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen) beleuchtete die Wissenschaft und KI. Leon Pfau (Jugend- und Auszubildendenvertreter, Stadt Oberhausen) vertrat die Sicht junger Menschen und Michael Jehn (Dezernent für Bürgerservice, Öffentliche Ordnung, Personal und IT der Stadt Oberhausen) für die kommunale Perspektive. Sie alle bildeten auch das Panel, in dem die Positionen zusammengeführt und diskutiert wurden – ergänzt um Beiträge aus dem Publikum. Dabei wurde deutlich, dass Veränderungen der Arbeitswelt nicht aus einer einzelnen Perspektive beantwortet werden können. Zwischen den Interessen von Beschäftigten und Unternehmen, den Erwartungen junger Menschen, technologischem Wandel, strukturellen, institutionellen und politischen Rahmenbedingungen sowie kommunaler Verantwortung entstehen immer wieder neue Fragen, aber auch neue Gestaltungsmöglichkeiten.

Durch den Nachmittag führte Dr. Annette Klinkert (city2science). Sie verband die unterschiedlichen Perspektiven miteinander und gab dem Publikum durchgehend Raum für eigene Fragen.

Für die Arbeitsmarktkonferenz zieht Oberbürgermeister Thorsten Berg folgendes Fazit: „Mich hat besonders die Offenheit beeindruckt, mit der über Branchen- und Interessengrenzen hinweg diskutiert wurde. Der Arbeitsmarkt verändert sich spürbar: Fachkräfte werden knapper, Berufsbilder wandeln sich und neue Technologien verändern unsere Arbeitswelt. Entscheidend ist, dass wir diesen Wandel nicht nur beobachten, sondern gemeinsam gestalten. Dafür brauchen wir den Austausch zwischen Beschäftigten, Unternehmen, Wissenschaft, Bildung und Verwaltung. Die Arbeitsmarktkonferenz hat gezeigt, dass es dafür in Oberhausen viele Ideen und eine große Bereitschaft zur Zusammenarbeit gibt."

Die Ergebnisse der Konferenz fließen in die wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Arbeit der Stadt Oberhausen ein. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Stadt gemeinsam mit ihren Partnerinnen und Partnern dazu beitragen kann, Beschäftigung, Ausbildung und Fachkräftesicherung in einer sich wandelnden Arbeitswelt zukunftsfähig zu gestalten.