Themenjahr "Dritte Orte"

Mit dem Themenjahr 2025/26 widmet sich die Stadt Oberhausen der Frage, welche Bedeutung sogenannte „Dritte Orte“ für das städtische Leben haben und welche Potenziale sie für die Zukunft bieten.

„Dritte Orte“ sind Räume jenseits von Zuhause und Arbeit, die Begegnung, Austausch und Gemeinschaft ermöglichen. Sie sind Orte, an denen Menschen zusammenkommen, unabhängig von Herkunft, Alter oder sozialem Hintergrund. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Miteinander in unserer Stadt.

Im Themenjahr „Dritte Orte“ möchten wir diese besonderen Räume in den Blick nehmen: Was zeichnet sie aus? Welche Rolle spielen sie für soziale Teilhabe, kulturelles Leben und den Zusammenhalt in Oberhausen? Und wie können sie in Zukunft gestärkt werden?

Das Themenjahr lädt dazu ein, diese Fragen gemeinsam zu diskutieren, unterschiedliche Perspektiven einzubringen und neue Denkanstöße zu entwickeln.

Wie können Kirchen angesichts rückläufiger Gemeindemitgliederzahlen und zunehmender Leerstände künftig als offene Orte der Begegnung, Kultur und Gemeinschaft erhalten und weiterentwickelt werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich die zweite Diskussionsveranstaltung des Themenjahres „Dritte Orte“ am 14. Juli 2026.

Dr. Martin Florack eröffnete die Veranstaltung und betonte die Bedeutung von Kirchen als zukünftige Begegnungsorte. Anhand von Beispielen aus Utrecht und Basel wurde gezeigt, wie Kirchenräume erfolgreich als offene Begegnungsorte und Cafés nachgenutzt werden können.

Prof. Dr. Welzel (TU Dortmund) erläuterte anschließend die Bedeutung von Kirchenräumen als Gemeingüter. Sie stellte das „Manifest für eine neue Verantwortungsgemeinschaft“ vor, das einen neuen Umgang mit Kirchenbauten und ihren Ausstattungen fordert. Als Teil des kulturellen Erbes und als öffentliche Räume können Kirchen demnach nicht allein von den kirchlichen Institutionen erhalten werden. Das Manifest plädiert daher für eine breit aufgestellte Verantwortungsgemeinschaft aus Kirchen, Staat, Gesellschaft und weiteren Akteuren sowie für neue Formen der Trägerschaft. Kirchen können dabei als Dritte Orte verstanden werden – als niedrigschwellige Treffpunkte, die Menschen zusammenbringen, Gemeinschaft ermöglichen und gesellschaftlichen Austausch sowie demokratische Teilhabe fördern. Als sogenannte „Vierte Orte“ können sie darüber hinaus als offene, gemeinschaftliche und kulturell geprägte Orte des alltäglichen Zusammenkommens wirken.

Felix Hemmers von Baukultur NRW stellte anschließend Beispiele gelungener Umnutzungen von Kirchengebäuden vor. Dabei wurde deutlich, dass Kirchenräume sowohl Orte der Begegnung und des Austauschs als auch Räume der Ruhe und Besinnung sein können. Zugleich kündigte Baukultur NRW die Veröffentlichung eines Leitfadens für Kommunen zur Entwicklung und Nachnutzung von Kirchenräumen an. Auch hier wurde die gemeinsame Verantwortung von Kirchen und Kommunen für den Erhalt und die Weiterentwicklung dieser identitätsstiftenden Gemeingüter hervorgehoben.

Ein konkretes Praxisbeispiel präsentierte Architekt Peter Lammsfuß von zwo+ Architekten mit dem Umbau der Bernarduskirche in Sterkrade. Er gab Einblicke in das Planungskonzept und die baulichen Herausforderungen des Projekts. Als wichtige Erfolgsfaktoren wurden dabei insbesondere die enge Zusammenarbeit zwischen Pächtern, Cateringbetrieb und Kirchengemeinde hervorgehoben.

In der abschließenden Diskussionsrunde tauschten sich die Referentinnen und Referenten sowie Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche über die Herausforderungen bei der Umnutzung von Kirchen aus. Dabei wurde deutlich, dass die Entwicklung aufgegebener Kirchen nicht allein Aufgabe der Kirchen sein kann. Vielmehr braucht es einen engen Dialog zwischen Kirchen, Kommunen, Investoren und weiteren Akteuren, um tragfähige und nachhaltige Nachnutzungskonzepte zu entwickeln. Entscheidend ist, geeignete Partner mit überzeugenden Konzepten zusammenzubringen, um die Standorte langfristig zu sichern und einer neuen Nutzung zuzuführen.

Wie können öffentliche Räume so gestaltet werden, dass sie Orte der Begegnung für alle bleiben? Mit dieser Frage beschäftigte sich die erste Diskussionsveranstaltung des Themenjahres „Dritte Orte“ der Stadt Oberhausen am 7. Mai 2026 im Wissenschaftscampus NRW.

Unter dem Titel „Begegnung unerwünscht? Öffentliche Räume im Spannungsfeld von Akzeptanz, Toleranz und Rücksichtnahme“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Quartiersarbeit und kommunaler Praxis gemeinsam mit den Teilnehmenden über die Herausforderungen und Potenziale öffentlicher Räume. Im Mittelpunkt standen dabei Plätze, Parks und Straßen als Orte spontaner Begegnung, an denen unterschiedliche Menschen, Interessen und Nutzungsansprüche aufeinandertreffen.

Den fachlichen Rahmen der Veranstaltung bildeten drei Impulsvorträge aus Wissenschaft, Quartiersarbeit und kommunaler Praxis. Prof. Dr. Ralf Zimmer-Hegmann (Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung) beleuchtete die Bedeutung öffentlicher Räume als Orte spontaner Begegnung und ging auf ihre Funktionen sowie die Herausforderungen ihrer Gestaltung ein. Dennis Zilske (Planerladen gGmbH) ergänzte diese Perspektive um Erfahrungen aus der Quartiersarbeit und zeigte auf, wie unterschiedliche Nutzergruppen öffentliche Räume wahrnehmen und aneignen und welche Bedeutung Beteiligung, Dialog und eine sozialräumliche Perspektive für den Umgang mit Nutzungskonflikten haben. Stefan Scholz (Quartiersmanagement Bremer Platz, Münster) stellte schließlich die Umgestaltung des Bremer Platzes als Praxisbeispiel vor. Anhand des Projekts verdeutlichte er, wie Nutzungskonflikte durch eine langfristige Quartiersarbeit, die Einbindung aller relevanten Akteure sowie das Zusammenspiel von Sozialarbeit, Ordnungsamt und Polizei konstruktiv bearbeitet werden können.

In der anschließenden Fishbowl-Diskussion beteiligten sich zahlreiche Gäste mit eigenen Erfahrungen und Fragestellungen. Diskutiert wurden unter anderem das Spannungsfeld zwischen objektiver und subjektiver Sicherheit, die Gestaltung öffentlicher Räume, der Umgang mit Nutzungskonflikten sowie die Frage, welche Verantwortung Kommunen für die Entwicklung lebendiger Begegnungsorte tragen. Dabei wurde deutlich, dass der Umgang mit Nutzungskonflikten einen langen Atem, eine enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure und die Bereitschaft erfordert, Konflikte nicht zu verdrängen, sondern aktiv zu bearbeiten.

Oberhausener Themenjahr „Dritte Orte“ erfolgreich gestartet

Mit rund 50 Teilnehmenden aus Verwaltung, Politik und Praxis ist das Themenjahr „Dritte Orte“ am 1. Oktober 2025 im Wissenschaftscampus NRW erfolgreich gestartet. Im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung standen Impulse aus Wissenschaft, Stadtplanung und Kultur sowie der Austausch über Chancen und Herausforderungen von Orten der Begegnung in Oberhausen.

Prof. Dr. Martin Florack, Leiter des Bereichs Integrierte Stadtentwicklung und Statistik, betont die aktuelle Relevanz des Themas: „Gesellschaftliche Polarisierung und wachsende Einsamkeit bedrohen unseren Zusammenhalt. Dritte Orte wirken einer zunehmenden Isolation und Individualisierung von Menschen entgegen, indem sie ein Angebot machen mit anderen Menschen in die Gemeinschaft zu kommen, auch ohne selbst etwas einbringen zu müssen. Dritte Orte dienen so als niederschwellige Räume der Teilhabe, des Dialogs und der sozialen Integration.“

Impulse aus Wissenschaft, Politik und Praxis

Die Veranstaltung bot Beiträge aus unterschiedlichen Perspektiven: Dr. Thomas Franke vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) ordnete das Thema im gesellschaftlichen Kontext ein und verdeutlichte die Relevanz Dritter Orte für urbane Entwicklungen.
Dr. Petra Potz vom Büro Location³ zeigte, wie Dritte Orte gezielt in Quartiers- und Stadtplanung integriert werden können. Dabei betonte sie die Bedeutung, auch neue Wege zu gehen: „Wenn man einen Erfolg sieht, liegt es häufig daran, dass in Bezug auf Orte und Akteure unkonventionelle Wege beschritten werden.“

Einen praxisnahen Einblick lieferte Dr. Kathrin Mädler vom Theater Oberhausen, die die Rolle des Theaters als Ort für Begegnung und Teilhabe hervorhob: „Es ist eine schwierige, aber zugleich sehr wichtige Aufgabe, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen, die sich sonst vielleicht nicht begegnen.“

In der anschließenden Diskussion tauschten sich die Referentinnen und Referenten mit den Teilnehmenden über praktische Ansätze, Chancen und Herausforderungen aus. Das Publikum brachte eigene Perspektiven ein und diskutierte, wie Dritte Orte in Oberhausen weiter gestärkt und nutzbar gemacht werden können. Dabei wurde hervorgehoben, dass sowohl geplante und organisierte als auch spontane, ungeplante Begegnungsräume notwendig sind. Die Teilnehmenden wiesen zudem darauf hin, dass es in Oberhausen bereits zahlreiche Dritte Orte gibt, diese aber teilweise noch zu wenig sichtbar sind. Auch die Vernetzung zwischen bestehenden Dritten Orten wurde als bedeutender Faktor für ihre langfristige Sicherung und Förderung betont.

Die Veranstaltung legte damit den Grundstein für das weitere Themenjahr „Dritte Orte“, das in den kommenden Monaten mit weiteren Veranstaltungen, Workshops und Initiativen fortgeführt wird.

v.l.n.r.: Mario Hofmann (Leiter Fachbereich Stadtentwicklung), Johannes Pagel (Fachbereich Stadtentwicklung), Claudia Dick (Moderation, ISR Innovative Stadt- und Raumplanung GmbH), Dr. Thomas Franke (Deutsches Institut für Urbanistik) Dr. Petra Potz (Location³), Dr. Kathrin Mädler (Theater Oberhausen) (Foto: Stadt Oberhausen/Tom Thöne)
v.l.n.r.: Mario Hofmann (Leiter Fachbereich Stadtentwicklung), Johannes Pagel (Fachbereich Stadtentwicklung), Claudia Dick (Moderation, ISR Innovative Stadt- und Raumplanung GmbH), Dr. Thomas Franke (Deutsches Institut für Urbanistik) Dr. Petra Potz (Location³), Dr. Kathrin Mädler (Theater Oberhausen) (Foto: Stadt Oberhausen/Tom Thöne)
Prof. Dr. Martin Florack, Leiter des Bereichs Integrierte Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Oberhausen während seines Impulsvortrags. Foto: Stadt Oberhausen/Tom Thöne
Prof. Dr. Martin Florack, Leiter des Bereichs Integrierte Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Oberhausen während seines Impulsvortrags. Foto: Stadt Oberhausen/Tom Thöne

Gemeinsam mit weiteren deutschen Großstädten beteiligt sich Oberhausen am Projekt „Dritte Orte als Inkubatoren für das Gemeinwesen“ des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu). Ziel ist es, die Bedeutung sogenannter Dritter Orte für mehr Gemeinschaft und Zusammenhalt in den Städten zu untersuchen.

Im Rahmen des Projekts wird unter anderem folgenden Fragen nachgegangen:

  • Welche Orte braucht das Gemeinwesen?
  • Inwieweit kann das Gemeinwesen (wieder) zentrale Orte besetzen?
  • Wie können Dritte Orte gezielt(er) für eine Stärkung des Gemeinwesens auf- und umgebaut werden?
  • Welche Einzelaspekte wie (innen-)architektonische Gestaltung und inhaltliche Angebote, Finanzierung und Betreibermodelle, Erreichbarkeit und räumlicher Einzugsbereich spielen dabei eine wesentliche Rolle?

Weitere Informationen finden Sie auf der Projektseite des Difu.

Wie steht es um Einsamkeit in Oberhausen? Der Fachbereich Statistik hat dazu den zweiten Bericht zur Einsamkeitsbelastung vorgelegt. Er zeigt, welche Bedeutung soziale Kontakte, Begegnungen und alltägliche Lebenssituationen für das Erleben von Einsamkeit haben.

Der Bericht macht deutlich: Einsamkeit betrifft Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen und Lebenssituationen – unabhängig von Alter oder sozialem Status. Besonders stark betroffen sind Personen, die mit ihren sozialen Beziehungen unzufrieden sind. Fehlende emotionale Unterstützung oder der Verlust wichtiger Bezugspersonen wirken sich deutlich auf das Einsamkeitsempfinden aus.

Regelmäßige persönliche Begegnungen – etwa mit Freunden, Nachbar*innen oder in Vereinen – tragen hingegen dazu bei, Einsamkeit zu verringern. Aktivitäten in Gemeinschaften oder sozialen Gruppen haben dabei sogar einen stärkeren positiven Effekt als Kontakte zu Familie oder Freundeskreis allein.

Zudem zeigt der Bericht, dass insbesondere Menschen mit geringem Einkommen häufiger von Einsamkeit betroffen sind. Umgekehrt profitieren alle Bevölkerungsgruppen von positiven sozialen Beziehungen und Möglichkeiten zur aktiven Teilhabe.

Der Bericht verdeutlicht damit, wie wichtig soziale Kontakte, Begegnungsräume und unterstützende Netzwerke für das Wohlbefinden in der Stadtgesellschaft sind.

Den vollständigen Bericht zur Einsamkeitsbelastung in Oberhausen finden Sie hier.

An jedem ersten Freitag im Monat diskutiert Prof. Dr. Martin Florack mit verschiedenen Gästen über die politische Dimensionen von Transformation. In Folge 18 des WICA-Podcasts spricht er mit Dr. Rainald Manthe über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen Dritter Orte.

Link zum WICA NRW
Link zur Folge

Kontakt

Johannes Pagel

Stadt Oberhausen 
Fachbereich 4-5-20/Stadtentwicklung
Marktstraße 97
46045 Oberhausen
Tel: 0208 825-2592
E-Mail:  johannes.pagel@oberhausen.de