Erstes Netzwerktreffen der voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen
20.10.2026 - Wie können Pflegeeinrichtungen auch bei länger andauernden Stromausfällen, Ausfällen der Kommunikation oder anderen Krisen- und Versorgungslagen handlungsfähig bleiben? Mit dieser Frage beschäftigte sich am Mittwoch, 23. September 2026, das erste Netzwerktreffen der voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen in Oberhausen. Auf Initiative des Fachbereichs Zivil- und Katastrophenschutz der Feuerwehr Oberhausen kamen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Pflegeeinrichtungen im Haus Abendfrieden zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, bestehende Vorbereitungen vorzustellen und gemeinsam Ansatzpunkte für eine weitere Stärkung der Krisenresilienz zu entwickeln.
Denn: In einer Krise können sich Pflegeeinrichtungen nicht darauf verlassen, dass externe Hilfe unmittelbar verfügbar ist. Sie müssen in der Lage sein, eine erste Phase der Schadenslage möglichst selbstständig zu bewältigen.
In seinem Einführungsvortrag erklärte Martin Götzke, Leiter des Fachbereichs Zivil- und Katastrophenschutz der Feuerwehr Oberhausen: „Pflegeeinrichtungen gehören zu den Bereichen unserer kritischen Infrastruktur, die auch in außergewöhnlichen Situationen funktionieren müssen. Gerade Menschen, die auf eine umfassende Betreuung, medizinische Versorgung oder technische Unterstützung angewiesen sind, können sich im Krisenfall nicht einfach selbst helfen.“
Erfahrungsbericht von einem realen Stromausfall
Einen besonders eindrucksvollen und praxisnahen Einblick gaben Alina Kregel und Eliza Molska vom Seniorenhaus Waldfriede in Berlin Zehlendorf, die digital zugeschaltet wurden. Sie berichteten von dem großflächigen Stromausfall, den die Pflegeeinrichtung an einem Samstag zu Beginn des Jahres 2026 unmittelbar erlebt hatte. Nicht nur Beleuchtung und Wärmeversorgung waren betroffen, auch die Kommunikation über Festnetz und Mobilfunk war nicht mehr möglich, weshalb das Absetzen eines Notrufes zunächst einmal nicht gewährleistet war. Über die Medien und erst mehrere Stunden nach Eintritt des Ereignisses erhielt die Einrichtungsleitung Kenntnis davon, dass nicht nur ihr Haus, sondern der Stadtteil vom Stromausfall betroffen war. Aufgrund dieser komplexen Lage stand eine unmittelbare Unterstützung durch Feuerwehr und Rettungsdienst in der Anfangsphase nicht zur Verfügung. Die Einrichtung musste zunächst weitgehend eigenständig handeln.
Funktionierende interne Strukturen
Hier zeigte sich, wie wichtig gut funktionierende interne Strukturen und das Engagement der Beschäftigten sind. Trotz der allgemein schwierigen Situation erschienen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausnahmslos zum Dienst. Auch Angehörige der Bewohnerinnen und Bewohner boten ihre Unterstützung an. Eine eher zufällige, aber letztlich sehr hilfreiche Ressource waren die batteriebetriebenen Weihnachtsbeleuchtungen auf den verschiedenen Wohnbereichen. Sie konnten kurzfristig als Notbeleuchtung eingesetzt werden.
Eine zusätzliche Herausforderung waren die winterlichen Temperaturen. Decken und Wärmeflaschen wurden eingesetzt, Bewohnerinnen und Bewohner teilweise in höher gelegene und wärmere Etagen umgelegt. Für eine mögliche Evakuierung war gemeinsam mit der Feuerwehr Berlin eine klare Grenze definiert: Erst bei einer Raumtemperatur von unter 16 Grad Celsius wäre eine Räumung der Einrichtung erforderlich geworden.
Oberhausen bereitet sich auf unterschiedliche Krisenszenarien vor
Im Anschluss stellte Martin Götzke die Vorbereitungen der Feuerwehr Oberhausen und des Fachbereichs Zivil- und Katastrophenschutz vor. Dabei ging es unter anderem um die kommunalen Planungen zum Ausfall oder Störungen der kritischen Infrastrukturen. „Resilienz bedeutet nicht, jede Krise verhindern zu können. Resilienz bedeutet vielmehr, vorbereitet zu sein, im Ereignisfall handlungsfähig zu bleiben und gemeinsam Lösungen zu finden“, so Götzke. Er stellte zudem heraus, dass der Schutz der Bevölkerung nicht allein Aufgabe der Feuerwehr oder der kommunalen Gefahrenabwehr ist. Gerade bei länger andauernden oder großflächigen Ereignissen kommt der Eigenvorsorge und der Zusammenarbeit mit Einrichtungen, Unternehmen, Hilfsorganisationen und weiteren Partnern eine entscheidende Bedeutung zu.
Haus Abendfrieden zeigt eigene Krisenvorsorge
Andreas Keienburg, kaufmännischer Geschäftsführer des Hauses Abendfrieden, stellte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das einrichtungsinterne Krisenmanagement und die umfangreichen Vorbereitungen für mögliche Versorgungsmangellagen vor. Eine systematische Vorbereitung umfasst zahlreiche Bereiche – von der Versorgung mit Trinkwasser und Lebensmitteln über Medikamente und Hygieneartikel bis hin zu Wärme, Beleuchtung, Kommunikation und der Sicherstellung wichtiger betrieblicher Abläufe. „Die Versorgung pflegebedürftiger Menschen muss auch unter außergewöhnlichen Bedingungen bestmöglich gewährleistet werden. Der Austausch mit anderen Einrichtungen und den Gefahrenabwehrbehörden hilft uns, unsere Vorbereitungen kontinuierlich weiterzuentwickeln“, so Jacqueline Prettenthaler, pflegerische Geschäftsführung im Haus Abendfrieden.
Checkliste als praktische Unterstützung
Zum Abschluss stellte Dr. Charlotte Weber, Bereichsleitung Gesundheit der Stadt Oberhausen, eine ergänzende Checkliste zur Krisenvorsorge für Pflegeeinrichtungen zur Verfügung. Sie soll als praktische Orientierung dienen, um die eigenen Vorbereitungen zu überprüfen und mögliche Lücken zu erkennen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Themen Versorgung, Medikamente, Wärme, Beleuchtung, Kommunikation, Notfallkontakte, Hygiene, Betreuung sowie die Aufrechterhaltung wichtiger Betriebsabläufe.
Netzwerk soll weiter ausgebaut werden
Das erste Treffen war zugleich der Auftakt für einen regelmäßigen Austausch zwischen den Oberhausener Pflegeeinrichtungen und dem Zivil- und Katastrophenschutz. Ziel ist es, Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und gemeinsam die Widerstandsfähigkeit der Einrichtungen gegenüber unterschiedlichen Krisensituationen weiterzuentwickeln.„Der Austausch heute hat gezeigt, wie wertvoll es ist, wenn Einrichtungen ihre Erfahrungen offen miteinander teilen. Niemand kann jede mögliche Krisensituation vorhersehen. Aber wir können uns gemeinsam darauf vorbereiten, was zu tun ist, wenn gewohnte Strukturen plötzlich nicht mehr funktionieren“, fasste Götzke zusammen.
Das Ziel des Netzwerktreffens lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Gemeinsam vorbereitet sein, damit im Krisenfall gemeinsam gehandelt werden kann.
Broschüren und Ratgeber
Folgende Ratgeber und Broschüren liegen für Bürgerinnen und Bürger zur kostenlosen Abholung an der Feuer- und Rettungswache 1, Brücktorstraße 30, aus. Im Internet sind sie unter den folgenden Links abrufbar:
- Stadt Oberhausen: Krisenratgeber (deutsch, englisch, ukrainisch, französisch, arabisch, türkisch Land
- Bund: Vorsorgen für Krisen und Katastrophen