Westfriedhof ist Oberhausens erstes Gartendenkmal
09.07.2026 - Der Westfriedhof in Oberhausen ist ab sofort als Gartendenkmal anerkannt und damit das erste Objekt dieser Art im Stadtgebiet. Mit der Eintragung als Gartendenkmal wird der hohe historische, wissenschaftliche und städtebauliche Wert des Westfriedhofs einschließlich des integrierten Jüdischen Friedhofs gewürdigt.
„Der Westfriedhof ist ein bedeutender Ort der Erinnerung und zugleich ein herausragendes Zeugnis der Stadt- und Gartenbaugeschichte“, sagt Alina Norres, Denkmalpflegerin bei der Stadt Oberhausen. „Mit seiner Eintragung als Gartendenkmal wird der Westfriedhof auch als bedeutendes kulturelles Erbe für kommende Generationen geschützt.“
Friedhof als Dokument der Bestattungskultur bis in die Nachkriegszeit
Die heute größte Friedhofsanlage in Oberhausen dokumentiert die Entwicklung der Bestattungs- und Friedhofskultur vom späten 19. Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit. Ausgehend von einem klassischen Vier-Felder-Friedhof entwickelte sich die Anlage zu einem Parkfriedhof im Stil der Moderne. Prägend sind großzügige Grünflächen, symmetrische Platzanlagen, ein hierarchisches Wegesystem sowie die zentrale Hauptallee, die barocke Gestaltungselemente aufgreift. Ein kreisrunder Teich aus den 1930er-Jahren ergänzt die formal gestaltete Anlage.
Zugleich spiegelt der Westfriedhof die Stadtgeschichte Oberhausens wider. Historische Grabstätten und Denkmäler, der integrierte Jüdische Friedhof sowie zahlreiche Erinnerungsorte, wie die Gemeinschaftsgrabanlage mit Erinnerungsmal an das Grubenunglück auf Zeche Concordia im Jahr 1938 oder das Denkmal für die sogenannten Märzgefallenen des Arbeiteraufstandes von 1920 machen ihn zu einem zentralen Ort des kollektiven Gedenkens.

Ort der lokalen Erinnerungskultur
Die Ehrengrabanlage für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs am südöstlichen Ende der Hauptallee verweist auf die frühe Funktion als städtischer Gedenkort. Im westlichen Bereich erinnern Gräberfelder an ausländische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs und machen die lokalen Auswirkungen von Krieg und Gewaltherrschaft sichtbar. Der Ehrenfriedhof für deutsche Kriegstote des Zweiten Weltkriegs mit seinem markanten Hochkreuz ist ein zentraler Erinnerungsort und Mahnmal für Frieden. Die Anlage, in ihrer heutigen Form seit 1964 gestaltet, erinnert an Soldaten und zivile Opfer und steht für die lokale Erinnerungskultur.
Grabstätte von Oberbürgermeisterin Luise Albertz
Auch zahlreiche Grabstätten bedeutender Oberhausener Persönlichkeiten sind auf dem Westfriedhof zu finden. So ist im ältesten Teil des Westfriedhofs die Grabstätte von Luise Albertz beheimatet. Die 1979 verstorbene SPD-Politikerin prägte die Oberhausener Nachkriegsgeschichte maßgeblich und ging als erste Oberbürgermeisterin einer deutschen Großstadt in die Geschichte ein. Der bewusst schlicht gehaltene, von Rhododendren gerahmte Findling als Grabmal unterstreicht die zurückhaltende Gestaltungskultur des Friedhofs und fügt sich in das Gesamtbild des Parkfriedhofs ein.
Hintergrund Gartendenkmal
Ein Gartendenkmal ist eine historisch bedeutsame Grünanlage, die unter Denkmalschutz steht. Dazu zählen zum Beispiel Parks, Friedhöfe, Schlossgärten oder gestaltete Landschaftsanlagen, deren Erscheinungsbild aus geschichtlichen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Gründen erhaltenswert ist. Im Unterschied zu einem einzelnen Gebäude geht es beim Gartendenkmal nicht nur um Bauwerke, sondern um das Zusammenspiel von Natur und Gestaltung. Gartendenkmäler gibt es in Nordrhein-Westfalen erst seit dem 1. Juni 2022. Das ist auch der Grund, warum die denkmalgeschützten Orte Kaisergarten und Revierpark Vonderort als Baudenkmäler und nicht als Gartendenkmäler eingetragen sind.
