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AUSSTELLUNG - "Der Berg ruft"

17. September 2019
10:00 - 18:00 Uhr

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Lebenssituationen

Feuerwehr

Wissenswertes zur Eisrettung - Eisrettung und Unfälle auf Eisflächen

Einleitung

Bild: Eisrettungsübung der Obehausener Berufsfeuerwehr

Eisrettungsübung der Oberhausener Berufsfeuerwehr

Jedes Jahr, wenn die kalte Jahreszeit kommt, zieht es mehr und mehr Menschen hinaus in die verschneite Landschaft. Ein romantischer Spaziergang am zugefrorenen See oder ein vergnüglicher Nachmittag mit Glühwein vor dem heimischen Kamin. Wer genießt nicht dieses, in unseren Breitengraden seltene, Ereignis? Viele, vor allem junge Menschen können es kaum erwarten, auf einem zugefrorenen See in winterlicher Landschaft Schlittschuh zu laufen.
 

Aber gerade durch die Seltenheit wird die Gefahr häufig unterschätzt. Winterliche Seen-Landschaften verbergen unter der Schnee- und Eisdecke einige Risiken, die den Winterspaß deutlich trüben können. Eine geschlossene Eisdecke ist kein Hinweis auf eine ausreichende Tragfähigkeit.  Je nach Witterungsbedingungen und örtlichen Gegebenheiten können Wochen bis Monate vergehen, bis die Tragfähigkeit der Eisschicht ausreicht.


Welche Faktoren beeinflussen die Eisbildung?

Allgemein gilt: Fließende Gewässer frieren wesentlich langsamer zu und tauen eher wieder auf, als stehende Gewässer, wie z.B. Seen. Aber auch bei stehenden Gewässern ist die Eisdecke nicht durchgehend gleich dick. Ein- oder ausfließende Flüsse und Bäche beeinflussen die Eisbildung. Ebenso eingeleitete Industrieabwässer und eingeschlossene Fäulnisgase aus dem Boden. Zudem verringert eine geschlossene Schneedecke die Eisbildung, da Schnee die Kälte relativ schlecht weitergibt.

Aber auch wenn keinerlei Zuflüsse in stehenden Gewässern existieren, ist Vorsicht bei bewachsenen Ufern geboten. Der Pflanzenwuchs verringert die Eisbildung. Zudem sollte aus Naturschutzgründen um Wasserpflanzen grundsätzlich ein großer Bogen gemacht werden, da nie bekannt ist, welchen Tieren sie Zuflucht bietet. Gefrorene Pflanzen brechen bei Berührungen leicht und sterben ab.

Bevor man sich also auf das Eis begibt, gilt es die Tragfähigkeit zu überprüfen. Begeben Sie sich niemals auf Eisflächen, die nicht freigegeben sind. Offizielle Stellen warnen immer wieder vor dem Betreten der noch nicht freigegebenen Eisflächen. Je nach Örtlichkeit erfolgt eine Freigabe erst ab einer Eisdicke von 15 Zentimetern oder mehr. Eisdecken unter 10 Zentimetern sind grundsätzlich, vor allem für Menschenansammlungen, wie sie beim Schlittschuhlaufen unvermeidlich sind, lebensgefährlich. Eventuell aufgestellte Verbotsschilder sollten unbedingt beachtet werden. Neben der mangelnden Tragfestigkeit weisen sie zudem darauf hin, dass die Wasserfläche nicht überwacht wird.

Vor allem vermeiden Sie es, alleine Schlittschuhzulaufen. Sollte etwas passieren, dauert es entsprechend lange, bis Hilfe angefordert und eingetroffen ist. Zudem ist es hilfreich, sich vor dem Betreten des Eises umzuschauen, welche Hilfsmittel im Falle eines Eisunfalls zur Verfügung stehen. In der Hektik der Situation können geeignete Hilfsmittel schnell übersehen werden. Der Helfer begibt sich ohne Hilfsmittel bei der Rettung unnötig in Gefahr.

Allgemein gilt: Verlassen Sie das Eis sofort bei Anzeichen, dass es Brechen könnte. Hören Sie also ein Knacken oder Knirschen verlassen Sie bitte sofort das Eis. Am Sichersten ist es, wenn sie sich dabei auf den Bauch legen, um das Körpergewicht möglichst großflächig zu verteilen. Auch dunkle Stellen auf dem Eis oder vorhandene Risse in der Eisdecke geben Aufschluss über die nicht ausreichende Tragkraft des Eises. Das Betreten von Eisflächen, wo Risse oder dunkle Flächen erkennbar sind, ist lebensgefährlich!


Was mache ich, wenn ich ins Eis eingebrochen bin?

Was aber machen, wenn man doch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ins Eis eingebrochen ist? Die allerwichtigste Grundregel lautet: Ruhe bewahren und entschlossen handeln. Durch die Kälte verliert der Mensch im eiskalten Wasser sehr schnell die Handlungsfähigkeit. Der Körper ist der Kälte nicht gewachsen und reagiert mit der Herabsetzung der Körperfunktionen.

Wenn das Loch im Eis entsprechend klein ist, können Sie sich mit den Füßen am gegenüberliegenden Rand abstoßen und sich mit dem Bauch oder Rücken flach auf das Eis in Richtung Land schieben. Achten Sie dabei darauf, möglichst flach auf dem Eis zu liegen. Da durch die Einbruchstelle die Tragfähigkeit des Eises stark gelitten hat, ist es wichtig, Ihr Körpergewicht auf eine möglichst große Fläche zu verteilen.

Sollte das Eis abermals brechen, bewegen Sie sich immerhin in Richtung Land. Ein eventueller Bodenkontakt hilft, sich auf das Eis zu schieben. Versuchen Sie bitte nicht, sich im Wasser Ihrer Kleidung zu entledigen. Sie bietet immerhin einen geringen Wärmeschutz. Hier ist es unheimlich wichtig, dass Sie durch Rufe und Gesten auf sich Aufmerksam machen, damit andere Personen Ihnen helfen können. Begeben Sie sich auf jeden Fall nach einem Eiseinbruch in ärztliche Behandlung, um evt. Folgen zu vermeiden.


Wie kann ich andere Personen retten?

Sollten Sie beobachten, wie eine andere Person ins Eis einbricht, kommt es auf schnelles und umsichtiges Handeln an. Stehen um Sie Passanten, sprechen Sie jemanden direkt an und bitten Sie ihn, einen Notruf abzusetzen. Je eher dies geschieht, umso besser.

 

Beachten Sie, dass das Eis um im Bereich der Einbruchstelle extrem brüchig ist und Sie sehr schnell ebenfalls in die Lage des Eingebrochenen kommen können. Um diese Situation zu vermeiden empfiehlt es sich, Hilfsmittel zu verwenden. In Frage kommt alles, was in der Lage ist, das Körpergewicht auf eine möglichst große Fläche zu verteilen, z.b. eine Tür oder ein Brett. Ein Hilfsmittel ist auch hilfreich, wenn es darum geht, den Eingebrochenen aus dem Eisloch zu befreien.

Da es extrem gefährlich ist direkt zu der eingebrochenen Person hinzurobben und ihn mit der Hand herauszuziehen, ist jeder Gegenstand, der als Armverlängerung dienen kann, hilfreich. Ein Ast, ein Schal, ein Stock oder eine zusammengerollte Jacke schaffen den nötigen Sicherheitsabstand. Teilweise existieren an stark frequentierten Seen auch Eisrettungsstangen, die genutzt werden können.

Bevor Sie sich allerdings in Richtung Eisloch auf den Weg machen, sollten Sie sich Gedanken über die Eigensicherung machen. Steht ein Seil zur Verfügung besteht die beste Eigensicherung darin, es am Körper zu befestigen und einer Person an Land zum Halten zu geben.

Stehen solche Hilfsmitteln nicht zur Verfügung besteht die Möglichkeit, eine Menschenkette zu bilden. Dazu fasst Ihre Sicherungsperson sie an Ihren Beinen und hält sie fest. Auch die Sicherungsperson sollte durch eine weitere Person gesichert sein, bis die letzte Person auf Land liegt. Dabei müssen alle beteiligten Personen darauf achten, dass sie möglichst flach auf dem Eis liegen, oder entsprechende Hilfsmittel verwenden. Neben der Eigensicherung vereinfachen diese Sicherungsmethoden das Zurückkehren, da der Retter einfach zurückgezogen werden kann.

Noch einfacher und sicherer ist es, wenn ein Rettungswurfball, eine Rettungswurfleine oder Ähnliches zur Verfügung steht, die Sie sicher von Land aus dem Eingebrochenen zuwerfen können.

Problematisch wird es in dem Moment, wo der Eingebrochene unter dem Eis verschwunden ist. Ohne eine spezielle Ausrüstung zu versuchen, die Person unter dem Eis zu finden und zu retten ist lebensgefährlich. Die Erfolgsaussichten sind zudem überaus gering. Vor allem, wenn es sich um fließendes Gewässer handelt. In diesem Fall verständigen Sie bitte umgehen die Einsatzkräfte der Feuerwehr über die Notrufnummer 112. Eventuell besteht bei fließenden Gewässern die Möglichkeit flußabwärts das Eis möglichst großflächig zu zertrümmern, damit die Person eigenständig wieder an die Wasseroberfläche kommen kann. Da dies aber nur selten machbar ist, sollten Sie sich auf die weiträumige Absicherung der Unglücksstelle und dem unverzüglichen Notruf (Wo geschah es? Was geschah? Wie viele Personen sind betroffen? Welche Art der Erkrankung liegt vor? Warten auf Rückfragen!) beschränken. Alles andere wäre für Sie zu gefährlich.


Welche Möglichkeiten hat die Berufsfeuerwehr Oberhausen?

Die speziell ausgebildeten Retter der Feuerwehr verfügen nicht nur über die technische Ausstattung, um Personen auch unter Eis suchen zu können, sondern werden speziell für diese Situation geschult. Nicht jeder Rettungstaucher kann unter Eis tauchen und vermisste Personen suchen. Zu dem normalen Einsatzstress kommen noch die extreme Kälte und die Gewissheit, dass im Notfall nicht die Möglichkeit besteht, einfach aufzutauchen. Aus diesem Grund werden Einsatztaucher spätestens nach 10-15 Minuten mit Hilfe der Sicherungsleine aus dem Wasser gelotst.

Aber auch für den Fall, dass die Person nicht unter Eis gedrückt wurde, sondern noch im Wasser schwimmt, hält die Feuerwehr spezielle Ausrüstung vor. Neben einem Schlauchboot verfügt die Feuerwehr über spezielle Rettungsschlitten oder sogar Wärmebildkameras, um die Lage von Eingebrochenen aufzuspüren und anschließend für den Retter gefahrlos wieder an Land zu bringen.

Zudem stehen für den Fall, dass die Person gerettet wurde, erweiterte Geräte zur Erstversorgung bereit. So rückt zu jedem Wasserrettungseinsatz gleichzeitig ein Rettungswagen und Notarzt aus.
Letztendlich ist auch die Standheizung des Einsatzfahrzeuge überaus hilfreich.


Welche Maßnahmen muss ich ergreifen, wenn ich eine Person gerettet habe, der Rettungsdienst aber noch nicht da ist?

Wenn es Ihnen möglich war, die Person aus dem eiskalten Wasser zu retten, bevor der alarmierte Rettungsdienst eintrifft, ist es wichtig, die Erstversorgung vorzunehmen. Da die gerettete Person stark unterkühlt ist, sollte die Person in einen warmen Raum gebracht werden. Dort sollte sofort die nasse Kleidung entfernt und die Person in Decken gehüllt werden.

 

Bitte frottieren Sie die Person nicht. Durch die Reibung wird warmes Blut aus dem Körperinneren nach außen transportiert und im Gegenzug kaltes Blut ins Körperinnere. Durch die extreme Temperaturdifferenz kann es zu einem Herz- Kreislaufstillstand kommen. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, dass sich der Gerettete flach hinlegt und möglichst wenig bewegt wird.

Um dem Körper des Eingebrochenen aufzuwärmen haben Sie die Möglichkeit, warme Getränke (zuckerhaltig)  zu geben. Verzichten Sie dabei aber auf alkoholische Getränke sowie Kaffee und schwarzen Tee. Durch die kreislaufanregenden Stoffe kommt es ebenfalls zu dem oben beschriebenen Blutaustausch mit der Folge, dass auch hier ein Herz- Kreislaufstillstand eintreten kann. Warme zusätzlich gezuckerte Fruchtsäfte eignen sich am Besten.

 

Sollte die Person bewusstlos werden kontrollieren Sie umgehend Puls und Atmung. Ist Beides noch vorhanden, wird die Person auf einer Decke in die Stabile Seitenlage gebracht und komplett zugedeckt.

Vergessen Sie bitte nicht regelmäßig Puls und Atmung zu kontrollieren, da auch später ein versagen der Atmung und des Kreislaufes auftreten kann. In diesem Fall ist es wichtig, dass Sie abermals einen Notruf absetzen, um den Rettungsdienst über die veränderte Situation zu informieren.

Sollten Puls und Atmung nicht mehr vorhanden sein kommt es darauf an, dass Sie sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Sollten Sie sich unsicher fühlen empfehlen wir Ihnen einen Erste-Hilfe-Kurs, z.B. bei einer der in Oberhausen ansässigen Hilfsorganisationen, zu besuchen. Neben der Erstversorgung von Unterkühlten werden noch andere Notfälle geschult, die gerade im Haus- und Freizeitbereich auftreten können. Regelmäßige Kursbesuche stellen zudem sicher, dass Sie in Notfällen schneller und vor allem sicherer handeln können.

Bitte weisen Sie vor allem Ihre Kinder auf die Gefahren von Eis hin. Zudem empfehlen wir, mit Ihrem Kind mal ein Unglücksfall mit der Alarmierung der Rettungsdienste und der Selbstrettung durchzusprechen und den Ablauf theoretisch zu üben.

Mit diesen Informationen und Wissen über die Gefahren auf Eis im Hinterkopf, wünscht Ihnen die Berufsfeuerwehr Oberhausen einen angenehmen Winter und sicheren Umgang mit Eis.

Kontakt

Stadt Oberhausen
Berufsfeuerwehr Oberhausen
Jörg Brandenburg
Brücktorstraße 30
46047 Oberhausen

Tel.: 0208 8585-773
E-Mail:joerg.brandenburg@oberhausen.de