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Kommunale Finanzkrise: Fahrzeug-Kolonne rollt durch Berlin
Sie waren ein Blickfang, hatten aber ein wichtiges Anliegen. Fahrzeuge aus vielen Städten und Gemeinden in Deutschland haben am Dienstag (7. Juli) in Berlin eines deutlich gemacht: Sie brauchen dringend eine finanzielle Soforthilfe, die bisherigen Beschlüsse helfen erst in der Zukunft. Sie kamen an der Siegessäule und am Brandenburger Tor vorbei, sie hielten am Bundeskanzleramt, am Reichstagsgebäude und am Finanzministerium: Feuerwehrautos, Linienbusse, Fahrzeuge vom Ordnungsamt, Müllwagen und sogar eine Kehrmaschine demonstrierten am Dienstag (7. Juli), was Kommunen alles leisten und was die aktuelle Finanzkrise für sie bedeutet.
Die Botschaft war eindeutig: Die Städte und Gemeinden in Deutschland brauchen eine finanzielle Soforthilfe in der Größenordnung von 32 Milliarden Euro. So groß war das Defizit im vergangenen Jahr in den kommunalen Haushalten – wesentlich verursacht durch Beschlüsse von Bund und Ländern. Diese haben inzwischen eingesehen, dass sie passend zu ihren Gesetzen und Vorgaben auch das erforderliche Geld zur Verfügung stellen müssen. Der Bund will sich künftig an den Grundsatz „Wer bestellt, bezahlt“ halten. So wurde es auf der Ministerpräsidentenkonferenz im Juni beschlossen.
Dies hilft aber erst in der Zukunft. Angesichts der tiefen Löcher, die in jüngster Zeit in die kommunalen Kassen gerissen wurden, brauchen die Städte und Gemeinden jetzt Hilfe. Deshalb sind Oberbürgermeister, Bürgermeister, Kämmerer und weitere Repräsentanten mit kommunalen Fahrzeugen ins Regierungsviertel gekommen und haben ihre Forderung an Regierung und Bundestag adressiert. Sie kommen aus Hessen, Mecklenburg-Vorpommer, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Die Aktion hat das Bündnis „Für die Würde unserer Städte“ organisiert.
Vor Ort sprachen sie unter anderem mit Finanzstaatssekretär Rolf Bösinger sowie verschiedenen Bundestagsabgeordneten. Die Forderungen an die Verantwortlichen:
- Bund und Länder müssen mit finanziellen Sofortmaßnahmen in der Größenordnung von 32 Milliarden Euro gegen die kommunale Finanzkrise wirken.
- Der Bund muss das Konnexitätsprinzip nun wirklich leben – auch für bereits beschlossene Gesetze. Die Länder müssen im Bundesrat darauf achten, dass dies in der Praxis geschieht.
- Der Bund muss die Altschulden-Regelung über die bisher beabsichtigten 250 Millionen Euro pro Jahr aufstocken, damit daraus eine Lösung wird, die den Kommunen wirklich hilft.
Die Aktionen haben viel Zuspruch in der kommunalen Familie erhalten. Auch Städte, die kein Mitglied im Aktionsbündnis sind, haben sich angeschlossen, viele weitere unterstützen die Fahrt ausdrücklich.
Hintergrund-Informationen
Teilnehmer der Aktionen sind folgende Kommunen:
Bochum
Castrop-Rauxel
Duisburg
Ennepetal
Frankfurt am Main
Gladbeck
Hagen
Kreis Recklinghausen
Mönchengladbach
Münster
Neustadt an der Weinstraße
Oberhausen
Obertshausen
Recklinghausen
Remscheid
Schwerin
Schwerte
Solingen
Velbert
Waltrop
Unterstützer der Aktionen sind:
Bad Schmiedeberg
Bottrop
Frankenthal
Köln
Koblenz
Krefeld
Landkreis Cuxhaven
Leverkusen
Lüdenscheid
Lünen
Mainz
Moers
Offenbach
Pirmasens
Rödermark
Saarbrücken
Salzgitter
Werne
Witten
Wuppertal
Im Aktionsbündnis „Für die Würde unserer Städte“ haben sich 73 Kommunen aus acht Bundesländern zusammengeschlossen. In den Städten und Kreisen leben rund zehn Millionen Menschen. Die Kommunen sind besonders vom Strukturwandel betroffen, deshalb haben sie geringe Einnahmen aus Steuern und hohe Ausgaben, insbesondere im Sozialbereich.