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Filmreihe „Weg zum Nachbarn Stadt.Geschichte.Film.“: „Der Herrscher“ mit Filmeinführung

23.09.2026

Mit „Der Herrscher“ (1937) zeigt die Filmreihe „Weg zum Nachbarn. Stadt.Geschichte.Film.“ des FC Oberhausen e.V. und der VHS Oberhausen am Mittwoch, 30. September 2026, 18 Uhr, in der Lichtburg Oberhausen einen historisch besonders bemerkenswerten Film. Regie führte Veit Harlan, der später vor allem durch den antisemitischen NS-Propagandafilm „Jud Süß“ bekannt wurde. „Der Herrscher“ gilt als nationalsozialistischer Propagandafilm und ist heute ein sogenannter Vorbehaltsfilm, der nur in einem entsprechend kontextualisierten Rahmen gezeigt werden darf. Die Einführung zum Film wird Paul Hofmann von der Kinemathek im Ruhrgebiet halten. Der Eintritt ist frei ab 18 Jahren. Um eine vorherige Anmeldung per E-Mail (info@lichtburg-ob.de) wird gebeten.

Ein Stahlbaron als Führer

Im Mittelpunkt des Films steht der mächtige Industrielle Matthias Clausen, gespielt von Emil Jannings. Nach dem Tod seiner Frau gerät er mit seiner Familie und den Direktoren seines Unternehmens in Konflikt. Während seine Angehörigen vor allem um das Erbe kämpfen, besteht Clausen darauf, sein Stahlwerk selbst zu führen. Der Film erzählt von Macht, Familie, Eigentum und wirtschaftlicher Verantwortung – und formt daraus zugleich das politische Ideal des starken, allein entscheidenden Führers. Am Ende vermacht Clausen sein Werk dem Staat und stellt seine Verantwortung gegenüber der sogenannten Volksgemeinschaft  über persönliche Interessen. Die ursprüngliche literarische Vorlage, Gerhart Hauptmanns „Vor Sonnenuntergang“, wurde für den Film jedoch grundlegend verändert. Aus dem eher liberal gezeichneten Unternehmer der Vorlage wurde eine Figur, die das nationalsozialistische Führerprinzip verkörpert. Damit ist „Der Herrscher“ ein aufschlussreiches Beispiel dafür, wie das NS-Regime bekannte Stoffe und populäre Filmstars für seine politische Weltanschauung nutzte.

„Der Herrscher“ und Oberhausen

Für Oberhausen ist der Film besonders interessant: Ein wesentlicher Teil der Außenaufnahmen entstand 1936/37 auf dem Gelände der Gutehoffnungshütte (GHH). Die industrielle Landschaft Oberhausens wird damit selbst Teil der filmischen Inszenierung. Das macht „Der Herrscher“ zu einem besonderen Stück Oberhausener Film- und Industriegeschichte. Die Stadt, die damals stark von Bergbau, Stahl und Industrie geprägt war, erscheint im Film nicht einfach als Kulisse. Die gewaltigen Anlagen der GHH verleihen der Geschichte über den mächtigen Stahlunternehmer eine besondere Authentizität und Größe.

Gerade deshalb lohnt sich heute der Blick zurück: An den Orten, an denen einst Stahl produziert wurde, befinden sich inzwischen neue Stadtquartiere, Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Die industrielle Vergangenheit Oberhausens ist damit nicht verschwunden – sie wird immer wieder neu erzählt, interpretiert und auch kritisch hinterfragt.

Was hat uns der Film heute noch zu sagen?

„Der Herrscher“ ist kein Film, den man heute einfach als historisches Drama anschauen kann. Interessant ist vielmehr, wie der Film funktioniert: Wie werden Macht und Autorität inszeniert? Wie wird ein einzelner Mensch zum scheinbar überlegenen Entscheider stilisiert? Welche Bilder von Gemeinschaft, Führung und wirtschaftlicher Verantwortung werden vermittelt? Diese Fragen sind auch für die Gegenwart relevant – nicht, weil die historischen Verhältnisse von 1937 mit heutigen politischen oder gesellschaftlichen Verhältnissen gleichzusetzen wären, sondern weil der Film sichtbar macht, wie stark Medien politische Vorstellungen prägen und normalisieren können. „Der Herrscher“ bietet damit die Möglichkeit, nicht nur auf die Geschichte des Nationalsozialismus zu schauen, sondern auch über die Wirkung politischer Bilder, über Macht und Medien und über den verantwortungsvollen Umgang mit historischen Filmen nachzudenken.

„Weg zum Nachbarn. Stadt.Geschichte.Film.“ lädt damit erneut dazu ein, Oberhausen über seine Filmgeschichte zu entdecken und historische Bilder mit dem Wissen von heute neu zu betrachten. Die kostenfreien Termine finden jeweils am letzten Mittwoch des Monats im Lichtburg-Filmpalast Oberhausen, Elsässer Straße 26, 46045 Oberhausen, statt.