Kultur anders sehen, hören, fühlen
Forum von „Lass‘ mal gemeinsam machen!“ zeigte, wie die Gestaltung einer inklusiven Kulturlandschaft gelingt

30.03.2026 - Mit dem zweitägigen Forum „Lass’ mal gemeinsam machen!“ hat die Modellkommune Oberhausen eindrucksvoll gezeigt, wie ein inklusives Kulturleben entstehen kann, das Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen erreicht. Rund 150 Teilnehmende aus Kultur, Sozialer Arbeit, Politik und Zivilgesellschaft kamen am 27. und 28. März im LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, neue Impulse mitzunehmen und die Zusammenarbeit im inklusiven Kulturnetzwerk zu vertiefen.
„Zugang zur Kultur ist ein Menschenrecht, auch für mehr als 13 Millionen Menschen mit Beeinträchtigungen. Aber Inklusion gelingt nicht nur durch einzelne Leuchttürme, sondern durch stabile Netzwerke und mutige Kooperationen. Oberhausen zeigt eindrucksvoll, dass Veränderung möglich ist, wenn Menschen mit und ohne Behinderungen die Kulturlandschaft gemeinsam gestalten“, erklärte Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen beim Forum begeistert.
„Wir haben ein Forum geschaffen, das unterschiedliche, gleichberechtigte Zugänge geboten und viele Perspektiven zusammengebracht hat“, so Projektkoordinatorin Bianca Mehanovic von der Caritas Oberhausen. Barrierefreiheit haben die Veranstalter nicht nur räumlich verstanden: Filmische Zugänge boten visuelle Impulse, Soundinstallationen gaben einen auditiven Zugang, künstlerische Aktionen setzten auf sensitives Empfinden, während Vorträge und Gesprächsrunden eine theoretische Perspektive eröffneten. „Das Besondere an unserer Netzwerkarbeit ist, dass Kultur und Soziales gemeinsam denken – und dass die Stimmen der Selbstvertreter:innen im Mittelpunkt stehen“, ergänzt Mehanovic.
Das Netzwerk bringt Kultur und Soziales enger zusammen und bindet Menschen mit Behinderungen konsequent ein – ganz nach dem Prinzip „Nicht ohne uns über uns“. Künstler:innen und Referen:tinnen mit und ohne Behinderungen gaben wichtige Impulse dafür, wie echte Teilhabe gelingen kann. Gleichzeitig leistete das Forum einen Beitrag, die Erkenntnisse des Modellprojekts der vergangenen Jahre mit einem überregionalen Publikum zu teilen und bundesweit Aufmerksamkeit für inklusive Netzwerkarbeit zu schaffen.
Beim Forum „Lass’ mal gemeinsam machen!“ in Oberhausen (v. l.): Apostolos Tsalastras, Stadtkämmerer der Stadt Oberhausen, Bianca Mehanovic, Projektkoordinatorin der Caritas Oberhausen, Prof. Dr. Romi Domkowsky, Projektleiterin der Stadt Oberhausen, Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Michael Kreuzfelder, Vorstand der Caritas Oberhausen, Sonja Bongers, Bürgermeisterin der Stadt Oberhausen, sowie Maximiliane Horbach, Netzwerkkoordinatorin der Stadt Oberhausen. (Foto: Anna Spindelndreier)
Die Projektleiterin der Stadt Oberhausen, Prof. Dr. Romi Domkowsky, beschrieb das Forum als wichtigen Meilenstein: „Das Forum war für unser Projekt ein Zwischenstopp, um unsere bisherigen Erkenntnisse genauso zu teilen wie all unsere offenen Fragen aus den letzten Jahren. Im Austausch zu sein, gemeinsam Antworten zu finden, Ideen zu spinnen und Aha-Momente zu feiern – das macht ‘Lass mal gemeinsam machen!’ aus. Und das konnte man auch beim Forum erleben. All das in einem künstlerischen, inspirierenden und gleichzeitig inklusiven Setting.“
Getragen wurde die Veranstaltung durch die enge Zusammenarbeit mit dem LVR-Industriemuseum Zinkfabrik Altenberg, das die Räumlichkeiten öffnete und das inklusive Setting aktiv mitgestaltete. Die entstandenen Impulse und neuen Vernetzungen sollen nun in die weitere Projektarbeit einfließen. Oberhausen, als eine von vier NRW-Modellkommunen, macht damit deutlich, dass die Stadt dauerhaft Strukturen für eine inklusive Kulturlandschaft aufbauen möchte – gemeinsam mit Kulturakteur:innen, Verbänden und der Selbstvertretung. Das umfassende Konzept stärkt die gleichberechtigte Teilhabe und setzt maßstäbliche Standards für inklusive Kulturveranstaltungen.
Hintergrund
Das Projekt „Lass‘ mal gemeinsam machen! Inklusives Kulturleben in Oberhausen“ ist eine Zusammenarbeit des Kulturbüros und des Bereichs für Chancengleichheit der Stadt Oberhausen mit dem Caritasverband Oberhausen. Ziel ist es, Kunst und Kultur in Oberhausen für alle zugänglicher zu machen. Dafür arbeitet das Projektbüro mit einem großen Netzwerk aus mehr als 20 Kulturinstitutionen, soziokulturellen Zentren, Trägern der freien Wohlfahrtspflege sowie freien Kulturakteurinnen und -akteuren zusammen. Das Modellprojekt wird bis 2028 von der Aktion Mensch und dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW mit insgesamt einer Million Euro gefördert.