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Dritte Sozialkonferenz rückt Armutssensibilität in den Fokus

03.03.2026

Am 2. März 2026 fand im Veranstaltungszentrum der ASO gGmbH im Elly-Heuss-Knapp-Quartier die dritte Sozialkonferenz der Stadt Oberhausen statt. Unter dem Motto „Armut verstehen, statt verurteilen“ kamen rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Wohlfahrt, Politik und weiteren Institutionen zusammen, um sich mit dem Thema Armutssensibilität auseinanderzusetzen. Die Sozialkonferenz richtet sich dabei gezielt an Entscheidungsträgerinnen und -trägern sowie die Leitungsebene.

In seinem Grußwort betonte Oberbürgermeister Thorsten Berg die Bedeutung eines respektvollen und vorurteilsfreien Umgangs mit Menschen in belasteten Lebenslagen: „Auch gut gemeinte Unterstützung kann unbeabsichtigt Menschen ausschließen, etwa durch komplizierte Verfahren, durch schwer verständliche Sprache oder durch unbewusste Vorurteile. Armutssensibilität bedeutet deshalb, Strukturen und Abläufe in den unterschiedlichen Einrichtungen immer wieder zu hinterfragen und so zu gestalten, dass niemand ausgeschlossen wird. Hilfe darf nicht beschämen, sie muss Menschen in ihrem Alltag vielmehr stärken und ermutigen.“

Die Sozialkonferenz wurde erneut gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (AGW) in Oberhausen veranstaltet. Diese setzt sich aus den Organisationen Arbeiterwohlfahrt, Caritasverband, Der Paritätische, Deutsches Rotes Kreuz und Diakoniewerk zusammen. Die Veranstaltung wurde von Julia Pietrasch, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Oberhausen, moderiert. Nach einem kulturellen Einstieg durch den Slam-Poeten Florian Stein führte die renommierte Armutsforscherin Gerda Holz mit einem Fachvortrag in das Thema ein. Holz hat viele Jahre zu Kinderarmut und sozialer Ungleichheit geforscht und gilt als zentrale Impulsgeberin des Konzepts der Armutssensibilität.

Gesprächsrunde

In der anschließenden Gesprächsrunde kamen Perspektiven aus kommunaler Praxis und freier Wohlfahrtspflege zusammen. Neben Michaela Hofmann, Referentin für Armutsfragen beim Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln, diskutierten Stephanie Peters, Leiterin des Bereichs Soziales der Stadt Oberhausen, und Beate Wendel vom Projekt SITAO Plus.

Michaela Hofmann brachte ihre Erfahrungen aus der Arbeit mit armutserfahrenen Menschen ein und unterstrich die Bedeutung von Beteiligung und Dialog auf Augenhöhe. „Wir müssen die Menschen fragen, was sie brauchen, statt zu mutmaßen“, betonte sie und machte damit deutlich, wie wichtig es ist, Betroffene aktiv einzubeziehen. Stephanie Peters machte deutlich, dass die Mitarbeitenden im Sozialrathaus täglich in engem Kontakt mit armutserfahrenen Menschen stehen – etwa im Rahmen der Grundsicherung, bei Asylleistungen oder beim Bildungs- und Teilhabepaket. Gerade hier zeigt sich, wie wichtig verständliche Kommunikation, transparente Verfahren und ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe sind.

Beate Wendel berichtete über die Arbeit im Projekt „Soziale Integration und Teilhabe am Arbeitsmarkt in Oberhausen“ (SITAO Plus), das Familien und Alleinerziehende bei ihrer sozialen und beruflichen Integration unterstützt. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Armutssensibilität kein Zusatzangebot, sondern ein zentrales Qualitätsmerkmal professioneller Organisationen ist. Zum Abschluss der Runde unterstrich sie: „Wir sind die Gestalterinnen und Gestalter.“

Dialog mit Bewohnerinnen und Bewohnern des Carl-Sonnenschein-Hauses

Ein besonderer Bestandteil der Konferenz war der Dialog mit Bewohnerinnen und Bewohnern des Carl-Sonnenschein-Hauses. Beim Ankommen und in der Pause hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, mit drei von ihnen ins Gespräch zu kommen. Sie präsentierten einen Teil der Ausstellung zum Tag der Wohnungslosen 2025 und machten damit die Erfahrungen und Bedürfnisse Betroffener unmittelbar sichtbar. In der anschließenden Arbeitsphase wurden Vorschläge diskutiert, wie Armutssensibilität in Institutionen strukturell verankert und im beruflichen Alltag gelebt werden kann. Da Armutssensibilität Einrichtungen der frühkindlichen Bildung ebenso betrifft wie Schulen, Jugendarbeit, Arbeitsmarktakteure, soziale und medizinische Dienste sowie Angebote für ältere Menschen, wurden die Teilnehmenden entsprechend in Gruppen aufgeteilt.

Mit der dritten Sozialkonferenz setzte die Stadt Oberhausen ihren begonnenen Dialog fort. Nachdem sich die Konferenzen 2023 und 2024 mit den Schwerpunkten „Alleinerziehend, aber nicht allein“ bzw. „Gemeinsam statt einsam“ befasst hatten, stand bei der diesjährigen Konferenz die Frage im Mittelpunkt, wie Institutionen Verantwortung übernehmen können, um Armut nicht unbeabsichtigt zu verstärken, sondern ihr wirksam zu begegnen. Die Ergebnisse der Sozialkonferenz werden wie auch bei den vergangenen Konferenzen zeitnah veröffentlicht und dienen als Grundlage für die weitere Arbeit am Thema Armutssensibilität in Verwaltung, Wohlfahrt, Politik und weiteren Institutionen.