Neues Magazin : „Kultur für alle – Kultur mit allen“

Die städtischen Kultureinrichtungen haben gemeinsam das Magazin „Kultur für alle – Kultur mit allen“ erarbeitet, das gerade erschienen ist. Sie wurden dabei vom Büro für Interkultur und dem Düsseldorfer Institut für Soziale Innovation unterstützt. Es handelt sich dabei um eine „Momentaufnahme zur Diversitätsarbeit der städtischen Kultureinrichtungen“ in Oberhausen. 

In der Tradition von Hilmar Hoffmann

Kulturdezernent Apostolos Tsalastras und Desbina Kallinikidou vom Büro für Interkultur mit der druckfrischen Ausgabe des Magazins „Kultur für alle – Kultur mit allen“. (Fotos: Stadt Oberhausen/Tom Thöne)
Kulturdezernent Apostolos Tsalastras und Desbina Kallinikidou vom Büro für Interkultur mit der druckfrischen Ausgabe des Magazins „Kultur für alle – Kultur mit allen“. Foto: Stadt Oberhausen/Tom Thöne  
Der Titel des Magazins „Kultur für alle – Kultur mit allen“ ist ein Hinweis darauf, dass die städtische Kulturarbeit in Oberhausen in der Tradition Hilmar Hoffmanns steht, der von 1951 bis 1970 als Leiter der Volkshochschule, Begründer der Internationalen Kurzfilmtage und Kulturdezernent tätig war, bevor er als Kulturdezernent der Stadt Frankfurt und später als Präsident des Goethe-Instituts zu einem der einflussreichsten Kulturpolitiker in Deutschland wurde. Dabei ist bemerkenswert, dass Hoffmann seine sehr fortschrittlichen Vorstellungen von Kultur bereits in Oberhausen entwickelte, bevor er sie in seinem Buch „Kultur für alle“ veröffentlichte.

Das macht Jens Brambusch in seinem Artikel „Der Kulturschocker“ deutlich. 

Die Erweiterung „Kultur mit allen“ weist darauf hin, dass es den Kultureinrichtungen heute nicht nur darum geht, ein Programm für ihr Publikum zu machen, sondern die unterschiedlichen Menschen und Gruppen einzubinden und sie aktiv zu beteiligen. In ihren Beiträgen geben die Autor*innen aus den verschiedenen Kultureinrichtungen Beispiele dafür.

 

Wichtige Schritte zu mehr Diversität

„Dieses Magazin soll zeigen, welche wichtigen Schritte zu mehr Diversität in den letzten Jahren gemacht worden sind“, betont Kulturdezernent Apostolos Tsalastras.   „Die Einblicke, die hier gegeben werden, sind so unterschiedlich wie die Kultureinrichtungen und Arbeitsfelder selbst, aus denen sie stammen.“ So wird im Beitrag der Volkshochschule gezeigt, wie das Thema „Diversität“ sich durch alle Bereiche der Erwachsenenbildung zieht und dort gelebt wird.

Stadtbibliothek und Ludwiggalerie

Die Stadtbibliothek hat hierzu ein Konzept erstellt, das die Bibliotheken in den Stadtteilen mit unterschiedlichen Schwerpunkten einbezieht. Die Ludwiggalerie nutzt ihre wechselnden Ausstellungen dazu, ein diverses Publikum anzusprechen, angefangen bei verschiedenen Berufsgruppen bis hin zu Führung für demenzkranke Menschen. Der Beitrag von Clemens Heinrichs aus der Gedenkhalle spricht wichtige historische Aspekte im Zusammenhang mit Diversität, Antirassismus und Demokratie sowie ihrer Vermittlung an.

Von Stadtarchiv bis Kurzfilmtage

Das Stadtarchiv geht neue Wege, um nicht nur die Migrationsgeschichte der Stadt zu dokumentieren, sondern auch die Geschichte aus Sicht der Migrant*innen selbst. Im Beitrag von Ella Steinmann aus dem Theater Oberhausen wird anhand eines sehr konkreten Beispiels gezeigt, wie künstlerische Arbeit sich gestalten kann, wenn sie die Prinzipien der Diversität ernst nimmt. Und Lars Gass erläutert, wie sich die Anforderungen und der Anspruch von Diversität bei den Internationalen Kurzfilmtagen, die dieses Thema immer als ihr Kernthema angesehen haben, aktuell widerspiegeln. Im Beitrag der Musikschule und des Kulturbüros werden zahlreiche Beispiele genannt, welche Maßnahmen ergriffen werden, um mit Musik, Kunst und Kultur ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Der Artikel „Oberhausen - international und vielfältig“ aus dem Büro für Interkultur macht deutlich, welchen wichtigen Beitrag die internationale Arbeit zum Thema „Diversität“ leistet.

Am Ende steht eine Übersicht von Kulturpartner*innen, mit denen die städtischen Einrichtungen zusammenarbeiten.

Konferenz auf März 2022 verschoben

„Eigentlich wollten wir das Magazin auf einer großen Konferenz in Zusammenarbeit mit dem Bereich Chancengleichheit und dem Kommunalen Integrationszentrum vorstellen und damit die gemeinsame Diskussion anregen“, sagt Desbina Kallinikidou vom Büro für Interkultur. Etwa 60 Teilnehmer*innen aus den Arbeitsgebieten Interkultur, Integration, Inklusion, Leben im Alter und Gleichstellung waren angemeldet, doch die aktuelle Entwicklung des Pandemiegeschehens hat dieses Treffen unmöglich gemacht. Stattdessen erhalten jetzt alle, die sich angemeldet haben, und alle Oberhausener Kulturakteure das Magazin zunächst einmal mit der Post. Die gemeinsame Konferenz ist auf März 2022 verschoben.

Hier gibt es das Magazin

Das Magazin können Sie hier herunterladen oder im Büro für Interkultur, Tel. 0208 825-2708, angefordert werden.


Hintergrund: Was ist Diversität?

Diversität wird oft mit Vielfalt gleichgesetzt, was allerdings viel zu kurz greift, denn Diversität beinhaltet den bewussten und wertschätzenden Umgang mit Vielfalt. Der Begriff leitet sich vom englischen Diversity Management ab, stammt aus der Wirtschaft und Personalentwicklung, wo es um den Nutzen und die Wirtschaftlichkeit vielfältig zusammengesetzter Teams geht. Dieser Ansatz wird schon seit Jahren in großen und insbesondere in multinationalen Konzernen verfolgt.

In der Kultur ist Diversität in erster Linie durch die Ansprüche an Demokratie, Teilhabe, Menschenrechte, Antirassismus und Antidiskriminierung von Bedeutung. Es bringt viele Vorteile mit sich, die Teilhabe ausgegrenzter Bevölkerungsgruppen im Rahmen von Vielfalt und Diversität zu betrachten.