Gedenkhalle blickt mit Fotos von Ruth Gläser zurück in die 50er Jahre

Rund 40.000 Fotografien der Bildjournalistin Ruth Gläser wurden für die Ausstellung in der Gedenkhalle gesichtet. Repro: Stadt Oberhausen / Tom Thöne

Rund 40.000 Fotografien der Bildjournalistin Ruth Gläser wurden für die Ausstellung in der Gedenkhalle gesichtet. Repro: Stadt Oberhausen / Tom Thöne

20.01.2025 - Wie sind die Menschen in Oberhausen nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Erinnerung umgegangen? Und wie hat sich die Gedenkkultur in Oberhausen entwickelt? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die neue Ausstellung der Gedenkhalle: Fotografien der Bildjournalistin Ruth Gläser eröffnen einen spannenden Blick zurück ins Oberhausen der Nachkriegszeit. Die Schau „Ruth Gläser. Pressefotos. Gedenkkultur. Oberhausen“ ist bis 7. September 2025 neben der Dauerausstellung zu sehen und wird durch eine Broschüre und ein üppiges Begleitprogramm ergänzt.

Die Fotografin und Bildredakteurin Ruth Gläser kam als junge Frau Anfang der 1950er Jahre nach Oberhausen und arbeitete zunächst für die Lokalredaktion des General-Anzeigers, dann über Jahrzehnte für die Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 240.000 Negative aus dieser Zeit überließ sie schon zu Lebzeiten dem Stadtarchiv, das einen großen Teil digitalisiert und nutzbar gemacht hat. Ruth Gläser starb 2022 im Alter von 93 Jahren.

Oberbürgermeister Schranz: Gläsers Fotos sind wertvolle Zeitzeugnisse

40.000 Negative aus den 1950er und frühen 1960er Jahren hat Thomas Hammacher gesichtet: Der Fotohistoriker hat die Ausstellung gemeinsam mit Clemens Heinrichs, dem Leiter der Gedenkhalle, kuratiert. Gut 200 Bilder haben die Kuratoren ausgewählt: Rund 60 beschäftigen sich mit dem Thema Erinnerungskultur, etwa 150 weitere – an einer Medienstation zu betrachten – zeigen das Leben in Oberhausen in der Nachkriegszeit und schaffen so einen gesellschaftlichen Zusammenhang für das Thema, aber auch einen Überblick über Gläsers Arbeit.

„Das Vermächtnis der Pressefotografin Ruth Gläser ist ein stadthistorischer Bilderschatz, längst nicht nur bei diesem Thema“, sagte Oberbürgermeister Daniel Schranz in seinem Grußwort zur Eröffnung: „Ruth Gläsers Fotos sind im historischen Kontext wertvolle Zeitzeugnisse, und sie machen die Diskrepanzen der damaligen Erinnerungskultur deutlich.“

„Ruth Gläsers Fotos sind im historischen Kontext wertvolle Zeitzeugnisse“, betonte Oberbürgermeister Daniel Schranz bei der gut besuchten Eröffnung der Ausstellung. Foto: Stadt Oberhausen / Tom Thöne

„Ruth Gläsers Fotos sind im historischen Kontext wertvolle Zeitzeugnisse“, betonte Oberbürgermeister Daniel Schranz bei der gut besuchten Eröffnung der Ausstellung. Foto: Stadt Oberhausen / Tom Thöne

Die Ausstellung ist in sechs Kapitel unterteilt. Foto: Stadt Oberhausen / Tom Thöne

Die Ausstellung ist in sechs Kapitel unterteilt. Foto: Stadt Oberhausen / Tom Thöne


Gedenkhalle präsentiert über 200 Fotos aus dem Oberhausen der Nachkriegszeit

In sechs Kapitel ist die Ausstellung eingeteilt, es geht etwa um das Gedenken in der Öffentlichkeit, bei dem lange die Opfer des nationalsozialistischen Terrors ausgespart wurden, es geht um nationalsozialistische Traditionen, die wiederauflebten, es geht um Flüchtlinge, Vertriebene und kriegsgefangene Spätheimkehrer. Und es geht um die Gründung der Gedenkhalle Oberhausen, der ersten NS-Gedenkstätte in Westdeutschland, im Jahr 1962: Der Beginn des Gedenkens im Rahmen dieser Institution beende den betrachteten Zeitraum, erklärte Gedenkhallen-Leiter Heinrichs in seiner Einführung in die Ausstellung.

Die Ausstellung, in der neben Fotografien zum Teil auch die Zeitungsberichte ausgestellt werden, die die Bilder illustrierten, sei ein außergewöhnliches Projekt, das zum Beispiel für andere Städte werden könnte, lobte Dr. Guido Hitze, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung, in seiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung.

Die Gedenkhalle bietet zur Ausstellung ein Begleitprogramm mit Vorträgen und Führungen an. Inhalte und Termine finden sich auf der Webseite der Gedenkhalle, sind aber auch telefonisch zu erfragen unter 0208 – 60 70 5310. Die Gedenkhalle an der Konrad-Adenauer-Allee 46 ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt in die Ausstellung wie zu den Führungen und Vorträgen ist frei. Zu den Führungen wird um Anmeldung gebeten.